Der einer südchinesischen Bauernfamilie entstammende Sun Yat-sen (1866-1925, chinesisch 孫逸仙 / 孙逸仙 Sūn Yìxiān) ist als Führer der demokratischen Revolution von 1911, als Begründer der Republik China sowie als Autor eines demokratischen Systems der Weltanschauung und Entwicklungsplanung in die Geschichte eingegangen. Hauptziele seines Kampfes waren Chinas korrupte und despotische mandschurische Qing-Dynastie (1644-1911), die Befreiung Chinas von seiner Unterdrückung und Ausbeutung durch imperialistische Kolonialmächte wie auch die Aufteilung Chinas in Herrschaftszonen militaristischer Warlords. Sun blieb bislang der einzige Demokrat unter den großen Führern Chinas im 19. und 20. Jahrhundert. Mit jeweils unterschiedlichen Akzentuierungen wird er im chinesischen Sprachraum in Taiwan, der V.R. China, Hong Kong u. Macau verehrt und in den USA, Japan, Russland und in Staaten Ostasiens geschätzt.
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Anlass der Ausstellung ist der hundertste Jahrestag der Revolution von 1911, die der Jahrtausende alten despotischen Kaiserherrschaft in China ein Ende setzte. Unmittelbares Ziel war die China seit 1644 beherrschende mandschurische Qing-Dynastie, die korrupt und hilflos ein Opfer der imperialistischen Raubpolitik der Industriemächte geworden waren, die China zahlreiche Rechte und Gebiete entrissen hatten.
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Der von Sun Yat-sen gegründete Chinesische Revolutionsbund entstand 1905. Er erstrebte den Sturz der Qing-Dynastie, die Errichtung einer demokratischen Republik, eine gerechte Landpolitik und Chinas Erstarkung um sich der Fremdmächte erwehren zu können. Nach zehn vergeblichen Versuchen gelang es im Oktober 1911 die Revolution zu entfachen. Die Dynastie dankte ab, Sun Yat-sen, proklamierte am 1. Januar 1912 die Republik China und wurde zu deren provisorischen Präsidenten gewählt. Eine demokratische Verfassung trat in Kraft. Um weiteres Blutvergießen zu vermeiden, trat Sun das Präsidentenamt an Marschall Yüan Shih-k’ai ab, der Chinas beste Armeen kommandierte. Dieser aber brach seinen Amtseid und errichtete 1911 eine Militärdiktatur.
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Nach Yüan Shi-k’ais Tod (1916) zerfiel China in eine Reihe mit einander kämpfender regionaler Militärdiktaturen der sog. Warlords. Doch Sun Yat-sen und seiner Partei der Kuomintang (Nationale Volkspartei) gelang es in der Provinz Kwangtung (Guangdong) mit Parlamentariern eine „Regierung
zum Schutz der Verfassung“ zu gründen. Sun wollte Kwangtung zur Musterprovinz für ein neues China und zum Ausgangspunkt einer Bewegung zur Wiedervereinigung Chinas machen.
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Das Ausbleiben der von Lenin erwarteten „Weltrevolution“ bewirkte Moskaus Interesse an einer Kooperation mit nicht-marxistischen nationalen Befreiungsbewegungen in kolonialen u. halbkolonialen Ländern – insbesondere mit Sun Yat-sens Kuomintang in China. Als Bedingung der Kooperation verlangte und erhielt Sun Yat-sen Moskaus schriftliche Bestätigung, dass Kommunismus und Sowjetismus für China nicht geeignet seien. Moskaus Vorschlag einer Koalition zwischen der Kuomintang und der noch kleinen Kommunistischen Partei lehnte Sun Yat-sen ab, erklärte sich aber bereit, einzelne führende Kommunisten – darunter auch Mao Tse-tung und Chou En-lai - seiner Partei beitreten zu lassen um sie unter Kontrolle zu haben. Von Moskau wollte Sun Yat-sen Geld, Waffen und Berater, doch keine Ideologie. Diese Hilfe hatte er zunächst - aber vergeblich - von anderen Staaten erhofft.
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Sun Yat-sens System der Weltanschauung forderte Volkssouveränität, Patriotismus und Kampf für die Befreiung Chinas u. anderer Völker vom Joch des Imperialismus. Demokratisierung schrittweise vom Landkreis bis zur Gesamtstaatsebene. Sein Modell der „Fünf Gewalten- Verfassung“, das westliche und altchinesische Elemente integriert, lebt gegenwärtig fort in Taiwans seit 1987 reaktivierter Demokratie. Trotz des Strebens nach Modernisierung, sei Chinas primär konfuzianisches Kulturerbe; als Quelle der Identität und Inspiration zu bewahren. Geistesgeschichtlich gesehen, bleibt der Sunyatsenismus die einzige ideologische Alternative zu asiatischen Formen des Kommunismus.
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Sun starb am 12. März 1925. Er hinterließ seinem Volk eine Zielrichtung und Nationalbewußtsein gebende Ideologie der Erneuerung und Befreiung, sowie eine schlagkräftige Partei und Armee. Unter dem Befehl seines Nachfolgers Chiang Kai-shek (1887-1975) brach diese Armee 1926 zu dem schon von Sun Yat-sen geplanten Wiedervereinigungsfeldzug quer durch China auf, erreichte 1927 schon Schanghai und marschierte 1928 in Peking ein. Der Feldzug endete mit der Gründung einer neuen, nationalchinesischen Regierung der Kuomintang und einer ersten - wenn auch nur relativen Wiedervereinigung Chinas im Zeichen der Ideen Sun Yat-sens.
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